Wie alles bei empatis-Jugendhilfe anfing

Wie alles bei empatis-Jugendhilfe anfing

Wie schon in unserem Beitrag „empatis-Jugendhilfe feiert den 6. Geburtstag“ erwähnt, wollen wir durch die bewegte Unternehmensgeschichte streifen und dabei ein paar markante Punkte, Ereignisse und Momente erinnern.

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. (Franz Kafka)

Die empatis® Jugendhilfe GmbH wurde am 28.10.2015 gegründet, was synchron mit einem Ereignis verwoben ist, was das Unternehmen grundlegend verändert hat. Um dazuzukommen, ist aber ein weiterer Blick in die Vergangenheit notwendig. Die empatis®Geschichte begann schon viel eher. Im Jahr 2005 wurde das Unternehmen empatis® gegründet. Die damalige Motivation bestand darin, individuelle, flexible und ausschließlich ambulante Hilfen anzubieten. Es war der hohe Anspruch von Andreas Schönwald, für alle Familiensysteme ein passendes Hilfesetting zu entwickeln, um die Eltern und die Kinder professionell, systemisch und empathisch zu begleiten und so zu unterstützen, dass sie keine weitere Hilfe mehr benötigen…gemäß dem sozialpädagogischen Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe.

Die Überzeugung, dass der beste Ort zum Großwerden für Kinder das elterliche Zuhause ist, war schon damals vorhanden. Diese Haltung brachte das Credo Familien erhalten auf den Punkt, welches noch heute als Anspruch und Selbstverständnis für den ambulanten Bereich von empatis® Jugendhilfe steht.

Projekte systemBLICK und (z)weitBLICK

Das ambulante Team der Standorte systemBLICK und (z)weitBLICK verkörpern auch heute die Begriffe Empathie, Flexibilität, Individualität, Professionalität und systemisches Arbeiten und ist damit das Herzstück unseres Unternehmens.

Eine extrem hohe fachliche Kompetenz, in Kombination mit hoher Flexibilität und Individualität, in der Fallbetreuung und das Streben nach fortlaufender Weiterbildung zeichnet das Team aus. Das Feld der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe war und ist das Herzstück von empatis®. Die Haltung, die Werte und die Prinzipien von empatis® haben sich im ambulanten Bereich entwickelt und stehen heute universell für das gesamte Unternehmen.

2015 – Das Jahr der fundamentalen Änderungen für empatis®

Ende Oktober 2015 erhielt Andreas Schönwald, nachdem das ganze ambulante Team die Arbeit im Kinder- und Jugendnotdienst unterstützt hat, an einem Freitag die Anfrage, ob empatis® ab dem darauffolgenden Montag die 24h Betreuung einer Gruppe von unbegleiteten ausländischen Minderjährigen (uaM`s) übernehmen kann. Flexibilität, ein Gefühl der gesellschaftlichen Verantwortung kombiniert mit Vertrauen in das bestehende Team, die potenziell neuen empatis® Mitarbeiter*innen sowie die Kooperationspartner, wie das Jugendamt Dresden und die Jugendherberge Rudi Arndt waren die Grundlage für den Entschluss, sich der Aufgabe zu stellen.

Freitag und Samstag wurden Bewerbungsgespräche geführt und am Sonntag das Team aufgebaut, indem viele neue Mitarbeiter*innen eingestellt wurden. Gleichzeitig wurde mit dem Team der JHB Rudi Arndt, unter der tollen und kompetenten Leitung von Kerstin Tiedemann das Haus für die kommende Zeit vorbereitet.

Und dann ging es einfach los und empatis® war in der Welt der stationären Hilfe, nach 10 Jahren reiner ambulanter Arbeit, angekommen. Anfangs mit großen Sprachproblemen, bei welchen wir feststellen mussten, dass die so hochgelobte Weltsprache „Englisch“ uns nur sehr begrenzt weiterhalf. Wir entwickelten, zusammen mit den Jugendlichen, welche in der ION lebten, Übersetzungsketten, welche angereichert mit Bildern, Händen und Füßen wurden. Es war eine unglaublich lebhafte, intensive, bereichernde und sinnstiftende Zeit. Aus den anfänglichen 6 Pädagog*innen im Oktober 2015 waren bis zum Ende des Jahres 60 (sechzig) Mitarbeiter*innen geworden. Meine Lieblingsbetriebswirtin meinte dazu mal sehr süffisant: „Organisches Wachstum sieht anders aus!“, womit sie vollkommen recht hatte. „Im Leben ist manchmal auch ein exponentielles Wachstum notwendig, um große Herausforderungen zu meistern.“ … wäre die passende Antwort gewesen, denn rückblickend war es so richtig und gut.

Die Weihnachten 2015 und 2016 waren erfüllt von Gemeinsamkeit, Miteinander und Menschlichkeit. So gelang es uns ein Modell zu entwickeln, dass am Heiligabend 2016 eine irakische Mutter und ihre drei Kinder wieder zusammenleben konnten. Die Kinder mussten allein in den Kinder- und Jugendnotdienst für viele Tage, da die Mutter sich nicht mehr um die Kinder kümmern konnte. Die Gewalt- und Verlusterfahrungen, welche sie auf der Flucht erleben musste, u.a. wurde ihr Mann vor ihren Augen erschossen, verursachte massivste Traumata und Probleme. Wir sicherten das Wohl der Kinder ab und alle schafften es zusammen, dass die Familie Anfang 2016 gemeinsam in eine passende Einrichtung umziehen konnte.

Durch unsere empathische, konstruktive und erfolgreiche Arbeit bekamen wir noch weitere Anfragen. empatis® betrieb zwischenzeitlich drei Inobhutnahme Einrichtungen. Neben der ION „Rudi Arndt“ gab es noch die ION „Steinhaus Moritzburg“ und die ION „Kangaroostopp“.
Die ION „Steinhaus Moritzburg“ war ein Komplex im Karl-May-Dorf Moritzburg. Dieses wurde komplett von uns betrieben und war eine spannende aber leider auch sehr herausfordernde Zeit, da die Gebäude nicht auf dem aktuellsten Stand waren. So streikten einige Jugendlichen in dem Projekt, da sie mit den dortigen Bedingungen nicht einverstanden waren. Wir mussten lernen, dass es auch einige uaM`s gab, welche unfassbar überheblich und arrogant waren und mit einer Selbstverständlichkeit erwarteten, dass sie einem Hotel gleich zu betreuen sein. Bedingungen, welche in der Jugendhilfe vollkommen normal sind, wie beispielsweise Haus- und Gemeinschaftsregeln, Ausstattung der Einrichtung oder zweckgebundene Gelder, wurden als inakzeptabel abgetan. Aber auch diese Schwierigkeiten haben wir erfolgreich gemeistert, sind daran gewachsen und haben viel bezüglich Improvisationsfähigkeit und Konfliktmanagement gelernt.

Die ION „kangaroo-stop“ war untergebracht in dem Hostel kangaroo-stop, dass sich auf junge Menschen oder neudeutsch Backpacker spezialisiert hatte. Diese ION hatte folgende Besonderheit, dass es dort ein gemeinsames Kochen mit einem ausgebildeten Koch gab. Wir hatten gelernt, dass das Thema Essen eines der wichtigsten, wenn nicht sogar das wichtigste Thema für die Jugendlichen war. Deswegen bezogen wir sie mit in den Einkaufs- und Kochprozess ein, um ihnen Beschäftigung, Beteiligung, Sinnhaftigkeit im Alltag zu geben und in Summe sie Erleben zu lassen, wie wichtig Selbstwirksamkeit für ein erfülltes Sein ist.

Es gab leider auch einen sehr tragischen Vorfall in dieser Zeit. Ein Bewohner der ION hatte sich bei einem Bekannten aus dem Fenster in den Tod gestürzt. Dieser Vorfall erschütterte die ION „Rudi Arndt“ in den Grundfesten. In diesem unfassbaren Ereignis zeigten sich die massivsten Belastungen, Verletzungen, Trennungen, Entbehrungen, Missbrauchserfahrungen und Traumata, die diese jungen Menschen erleben und erleiden mussten. Für die aktuellen und ehemaligen Bewohner*innen, sowie deren Bekannte und Freunde, organisierten wir eine umfassende und intensive Trauerarbeit, welche durch empatis® Mitarbeiter*innen und Kooperationspartner*innen geleistet wurde.

Ansonsten war diese Zeit von vielen tollen Momenten, wie etwa den Sommerfesten, den gemeinsamen Bau- und Ausbauaktivitäten, Ausflügen und Unternehmungen, ungewollten Feuerwehreinsätzen, nach großen Kochaktivitäten, sowie gemeinsamen Feiern im Garten mit der Nachbarschaft.

Diese besondere, bewegte und kostbare Zeit endete am 30.06.2017 mit der Schließung der IONs. Mit viel Stolz, Freude, aber auch Wehmut und einem weinenden wie einem lachenden Auge schauen wir noch heute auf diese Unternehmensphase zurück. Die großen gesellschaftlichen Veränderungen des Jahres 2015 haben sich auch bei empatis® niedergeschlagen. Wir sind dankbar für das Vertrauen, die intensive Zusammenarbeit und die Chance des Wachsens.

Der Dank geht besonders an:

  • das Team der JHB Rudi Arndt unter der Leitung von Kerstin Tiedemann
  • das Team des Hostels kangeroo-stop unter der Leitung von Liane Mautner
  • die vielen zuständigen und involvierten Mitarbeiter*innen der Allgemeinen Sozialen Dienste
  • das Koordinationsteam des Jugendamtes unter der Leitung von Frau Kuhn
  • die Mitarbeiter*innen des Kinder- und Jugendnotdienstes unter der Leitung von Frau Ackermann
  • die Geschäftsstelle des Jugendamts Dresden, unter der Leitung von Frau Seeger
  • den damaligen Leiter des Jugendamts Dresden Herrn Lippmann
Jugendherberge Rudi Arndt - Hübnerstrasse Dresden - außen
Jugendherberge Rudi Arndt - Foyer
Jugendherberge Rudi Arndt Dresden - außen

Der Rückblick ist „etwas“ ausführlicher geworden, aber das alles brauchte mal den angemessenen Rahmen, erzählt zu werden. Und dabei gab es noch sooo viele weitere Momente und Geschichten in dieser Zeit, welche hätten erwähnt werden sollen, so wie unseren tollen Mitarbeiter*innen aus Afghanistan, Eritrea, Irak oder Syrien, welche uns mit ihren Persönlichkeiten, ihren Erfahrungen, ihren beruflichen Hintergründen und ihren Sprach- und Kulturkompetenzen so unfassbar geholfen und bereichert haben. Oder die vielen ehrenamtlichen Helfer*innen und sozialräumlichen Netzwerke, welche für die jungen Menschen da waren und sie in ihren Wegen unterstützt und begleitet haben. Aber vielleicht ergibt sich ja später noch mal Zeit und Raum, auf das eine oder andere näher einzugehen.

In diesem Sinne…seien Sie auf die nächsten Erinnerungen gespannt, denn wir sind es auch.

Weiterbildung der ambulanten Teams

Die Mitarbeiter*innen der ambulanten Teams „systemBLICK“ und „(z)weitBLICK“ sind neben ihrer anspruchsvollen Arbeit kontinuierlich in individuellen Fort- und Weiterbildungsprozessen involviert. Die fortlaufende Weiterentwicklung ist ein wichtiges DNA-Merkmal der empatis® Mitarbeiter*innen, im Besonderen der ambulanten Einzel- und Familienhelfer*innen.
Regelmäßig gibt es auch innerbetriebliche Weiterbildungsangebote. Im Oktober war wieder solch ein Tag, in dem es um folgende Themen ging:

 

  1. Themenschwerpunkt Medienabhängigkeit (Vortrag Gesop, Dozent J. Kunkel von Beratungsstelle Escapade)
  2. Museumskoffer „Vergiss mein nicht“ – Vorstellung Trauerkoffer
  3. Themenschwerpunkt ADHS – Dozentin Mona Mäscher

Medienabhängigkeit

Die Weiterbildung- bzw. Schulungseinheit wurde von Jan Kunkel umgesetzt. Herr Kunkel arbeitet in der Beratungsstelle „Escapade“ von Gesop, welche sich u.a. auf die Unterstützung Jugendlicher bei Gefährdung durch problematische Mediennutzung spezialisiert hat. Herr Kunkel stellt die wichtigsten Erkenntnisse aus aktueller Forschung und dem Beratungsprozess vor:

  • Erkennbare Symptome/Strukturen einer Verhaltensabhängigkeit: Kontrollverlust über das jeweilige Verhalten; wachsende Bedeutung des jeweiligen Verhaltens gegenüber anderen Interessen und täglichen Aktivitäten (meist schleichend und unbewusst); Fortführung des Verhaltens trotz negativer Konsequenzen (Beziehung, Schule, Arbeit, körperliches etc.)
  • Erstellung einer Motivationsmaske mit den Klienten; angelehnt an die „Soziale Motivationsstruktur“ nach H. Heckhausen
  • Was ist ein Suchtgedächtnis und wie funktioniert es?
  • Skizzierung eines Standardverlaufes vom 3. – 55. Lebensjahr und darüber hinaus in verschiedenen Phasen der Entwicklung
  • Welche Begleiterkrankungen können zu der Medienabhängigkeit bestehen? Komorbiditäten: Depression, ADHS, soziale Phobie, Narzissmus
  • Wie kann ich mich vor einem übermäßigen Medienkonsum schützen?

Diese intensive und umfangreiche Weiterbildungseinheit war eine dringend notwendige theoretische und vor allem praxisrelevante Unterstützung der Mitarbeiter*innen. Das Thema „Medienabhängigkeit“ nimmt leider immer mehr Raum in der Arbeit ein, da die Eltern und die Systembeteiligten damit zunehmend überfordert sind. Und die Corona-Lockdownphasen haben diesen Prozess bedauerlicherweise noch zusätzlich dynamisiert.

Museumskoffer „Vergiss mein nicht“

Der Museumskoffer „Vergiss mein nicht“ ist ein didaktisches Arbeitsmittel für die Arbeit mit Kindern (im Alter von 5 bis 12 Jahren) zum Thema „Sterben und Tod, Bestatten, Trauern und Erinnern“ zum Thema Tod. Der Museumskoffer „Vergiss mein nicht“ ist ausleihbar im „Landesverband für Hospizarbeit und Palliativmedizin Sachen e.V.

Der Museumskoffer „Vergiss mein nicht“ ist gefüllt mit Objekten, Büchern, Filmen und Vorschlägen für den kreativen Umgang mit diesem Themenkomplex. Ergänzt wird die unglaubliche Vielfalt von Arbeitsmaterialien mit Hintergrundinfos bzw. Anleitung durch ein Handbuch.

Ziel des Museumskoffers ist es, Kindern die Themen „Sterben“ und „Tod“ als Teil unseres kulturellen, gesellschaftlichen und religiösen Lebens nahezubringen und ihnen eine behutsame Hilfestellung für den Umgang mit Abschied und Trauer anzubieten. Außerdem sollen die Empathiefähigkeit und die Akzeptanz von Gefühlen, Affekten und Stimmungen in Zusammenhang mit Abschied und Verlust dabei gestärkt werden.

Weitergehend sollen die Kinder mit Erinnerungskultur und Trauerritualen vertraut gemacht werde, da die Themen Tod, Verabschiedung und Trauer leider in unserer Gesellschaft eher verdrängt oder in verzerrter Art dargestellt werden. Die Vermittlung von Sachwissen zu den Themenblöcken „Sterben und Tod“ „Bestatten“ „Trauern“ und „Erinnern“ runden das gesamte Angebot ab.

Kinder haben je nach Alter sehr unterschiedliche Vorstellungen von den Themen „Sterben“, „Abschied“ und „Tod“. Die Themen finden in der Lebenswelt vieler Kinder statt, da sehr viele von ihnen Abschiede, Trennungen oder Todesfälle im Familienkreis direkt oder indirekt erleben mussten. Im Konkreten kann dies beispielsweise bedeuten:

  • Abschied vom Urlaubsort oder von der Mutter, die auf Dienstreise muss
  • Abschied vom Vater, der nicht mehr zu Hause wohnt
  • Trennung von der Freundin, die in eine andere Stadt zieht
  • Trauer vom verlorenen Kuscheltier oder vom gestorbenen Haustier

Das Ziel ist es, dass die Kinder schon früh und im Kleinen lernen, dass traurig sein, weinen und wütend sein, aber auch all die anderen Gefühle erlaubt und wichtig sind. Damit fällt dann später der Umgang mit schweren Verlusten und den Angehörigen und Freunden leichter. Trennungs-, Abschieds- und Verlustszenarien werden für die heutigen Kinder immer mehr zum „normalen“ Lebensalltag, sodass die Einzel- und Familienhelfer*innen diesbezüglich gewappnet sein müssen.

Der Museumskoffer „Vergiss mein nicht“ bietet dafür eine Vielzahl von Methoden, Ansatzpunkten und Herangehensweisen, sodass der alltags- und lebenspraktische Methodenkoffer der ambulanten Mitarbeiter*innen eine sinnvolle Erweiterung erlebte.

Trauerkoffer
Trauerkoffer Inhalt
Trauerkoffer - Vergiss mein nicht

Themenschwerpunkt ADHS

Einer der Klassiker der Kinder- und Jugendhilfe ist der Schwerpunkt ADHS. Zum weiten Themenkomplex ADHS gibt es glücklicherweise eine Vielzahl von neuen Erkenntnissen, Forschungsergebnissen und Handlungs- sowie Interventionsansätzen. Und genau zu diesem aktuellen Stand wurden die Mitarbeiter*innen der Teams systemBLICK und (z)weitBLICK von Mona Mäscher geschult. Im Detail ging es dabei beispielsweise um folgende Aspekte:

  • Krankheitsbild, Diagnostik und Therapie
  • Verhaltensmerkmale der Aufmerksamkeitsstörung
  • Umgang mit betroffenen Kindern und Jugendlichen
  • Prinzipien im Umgang (Einzel- und Gruppensetting)
  • Diagnostik und Testverfahren
  • Medikation

empatis® und die ambulanten Mitarbeiter*innen profitierten dabei mehrfach von der vielseitig, praxisrelevant und umfassend ausgebildeten Fachfrau. Mona Mäscher ist neben ihrer fachlichen Expertise auch noch Teil des empatis® Systems und steht allen Pädagog*innen für konkrete Fach- bzw. Fallfragen zur Verfügung. Mona Mäscher ist seit Juni 2020 die Teamleitung der Williburg und sorgt damit für einen großen Qualitätssprung in der pädagogischen Arbeit des Wohnprojekts, was sich in vielen positiven Hilfeverläufen der letzten Zeit zeigte.

Ergebnis

Für den systemBLICK und den (z)weitBLICK war dies ein besonderer Teamtag. Der Tag war geprägt von kostbarer Theorie und hohem Praxisbezug und mit vielen Momenten der Gemeinsamkeit. Dies ist im Alltag als häufig gefühlte/r „Einzelkämpfer*in“ das Wichtigste, um dauerhaft erfolgreich in dem Bereich arbeiten zu können. 1+1=3 zeigt sich in diesem Fall wieder einmal, wie lebens- und teamrelevant dieses systemische Prinzip ist.
Die systemischen Beratungskompetenzen der empatis® Einzel- und Familienhelfer*innen wurde durch den Weiterbildungstag, welcher von inhaltlichem und handlungspraktischem Input gekennzeichnet war, ergänzt und gestärkt. Das Resümee der Veranstaltung war, dass sich die Teams für die vielfältigen Herausforderungen ihres Arbeitsfeldes besser gewappnet sehen.

Jugendliche der Williburg starten in der Schule durch

Jugendliche der Williburg starten in der Schule durch

Leider ist es häufig so, dass Kinder und Jugendliche in Wohngruppen vielfältige Problemlagen zu meistern haben. Neben den schon schlimmen Faktoren, welche zu Wechsel in eine Wohngruppe führten, kommen häufig noch Folgeprobleme zum Tragen. Sehr oft gibt es schulische Probleme, da sich dort oft die ersten Symptome zeigen, dass zuhause bzw. bei dem jungen Menschen etwas grundlegend aus der Bahn geraten ist. Mit der Zunahme der häuslichen und familiären Probleme gerät das Thema Schule immer weiter in den Hintergrund, bis es zu einer passiven oder gar aktiven Schulverweigerung gekommen ist.

Wenn der Einzug in eine Wohngruppe vollzogen wurde, muss sich das Kind erstmal mit folgenden Themen auseinandersetzen:

  • Einleben in neues Umfeld
  • Verarbeitung der Trennung vom Familiensystem
  • Wege für den Umgang mit Trauer, Verlust, Schmerz oder Wut finden
  • sich selbst (wieder)finden
  • neue Regeln verinnerlichen
  • neue Beziehungen entwickeln und aufbauen

Und dann zur „Krönung“, sich entweder in der neuen Schule einleben oder sich mit den schulischen Problemen der alten Schule auseinandersetzen. Beide Szenarien sehen in der Praxis leider oft so aus, dass diese erstmal misslingen und dieser Bereich noch komplizierter und schwerer wird, da es vorher eine jahrelange negative Verstärkungskette im Bereich Schule gab.

Dass dies aber auch anders laufen kann, hat sich wieder einmal in unserem Wohnprojekt „Williburg“ gezeigt. Dort leben seit einiger Zeit zwei Mädchen, welche seit mehreren Jahren massive Schulprobleme hatten. Bevor sie in die Williburg kamen, besuchten sie seit zwei Jahren keine Schule mehr. Durch die intensive pädagogische Arbeit des Teams und im Besonderen der Bezugsbetreuer*innen und der Teamleitung haben die beiden Mädchen die große Chance erhalten, trotz der langen Abgängigkeit einen Schulabschluss zu machen.

Die beiden waren eigentlich offen für diese Chance, sahen aber uneigentlich keinen Erfolg für die Bemühungen, da die bisherigen negativen Erfahrungen, die großen Unsicherheiten und Befürchtungen sowie die ausgeprägten Ängste bezüglich des Systems Schule zu massiv waren. Die Pädagog*innen haben zusammen mit den beiden Mädchen individuelle Strategien des Herangehens und der Bewältigung entwickelt und dann kontinuierlich umgesetzt.

Die Tage und Wochen vergingen und die anfänglichen augenscheinlichen Situationserfolge wurden immer mehr zur „Routine“ und dann zum „normalen“ Alltag. Dabei war es u.a. elementar wichtig, diese positiven Veränderungen mit den jungen Menschen immer wieder neu zu reflektieren und ihnen begreiflich zu machen, dass dies ihr Erfolg war. Der Glaube an sich selbst, die Möglichkeit der Veränderung und das Erleben von Selbstwirksamkeit muss nach diesen Schicksalsschlägen erst wieder aufgebaut und gefestigt werden.

Die beiden Mädchen haben sich als Leistungsträgerinnen in ihren Klassen etabliert und erleben, leider erst jetzt, wie positiv, stärkend und tragend solch eine Erfahrung ist. Auch wenn wir die beiden Mädchen in ihrer Anonymität belassen, möchten wir ihnen unsere Bewunderung und unseren Stolz aussprechen, denn das sind wir…STOLZ auf ihren Mut, ihre Einsatzbereitschaft und ihr Engagement.

Wir glauben, nein wir wissen, dass sich diese Erfolge auch auf den anderen Ebenen zeigen werden. In einem gemeinsamen Prozess, in dem alle zusammen arbeiten, kann es eine wirkliche und nachhaltige Veränderung geben. Und genau in diesem Fall entsteht etwas Neues bzw. Größeres und aus 1+1 wird 3 oder frei nach Aristoteles: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“

1=Adressat*in plus 1= Pädagog*in ergibt 3=eine eigenverantwortlich geschaffene neue Lebenswelt, welche durch neue Sichten und Verständnisprozesse sowie neue Kompetenzen entstanden ist.
In diesem Sinne: gemeinsam Perspektiven gestalten!

Wohnprojekt Williburg erlebt spannende Ferien

Wohnprojekt Williburg erlebt spannende Ferien

Nach einer gefühlt ewigen Zeit der Schule waren sie endlich da…die lang ersehnten Herbstferien.

Die Bewohner*innen der Williburg freuten sich auf zwei Wochen Freizeit, Raum zum Faulenzen, Abhängen und einfach mal nichts tun. Und dann kam es doch anders, denn zusammen mit den Pädagog*innen wurden Ideen ausgetauscht, Pläne geschmiedet, wieder verworfen und neue Aktivitäten geplant. In der Welt von empatis® Jugendhilfe kommt es genau darauf an. Unsere Adressat*innen sollen und werden immer beteiligt, damit sie die Erfahrung machen, dass ihre Sicht wichtig ist und sie gehört werden. Dazu gehört auch ein längerer Austausch- und Diskussionsprozess, der den jungen Menschen viel abverlangt, aber am Ende für ein stolzes Gefühl sorgt…denn sie haben etwas als einzelne/r und als Gemeinschaft erreicht. Selbstwirksamkeit zu erleben und dies in einem kontinuierlichen Prozess ist häufig neu und unbekannt für die Bewohner*innen der Williburg. Aber zusammen werden auch diese Herausforderungen immer wieder geschafft, die wichtig für ein stabiles und verlässliches Selbstbild.
Die Ferientage in der Williburg waren wieder gefüllt mit vielen Unternehmungen, Ausflügen und Aktivitäten. Beispielhaft möchten wir ein paar Highlights herausgreifen und vorstellen.

Sportliche Aktivitäten auf Glatteis

Gemeinsam wurde Glatteis betreten und sich der Herausforderung einer Eisdisco gestellt. Betreuer*innen, Praktikant*innen und Jugendliche versuchten ihr Glück und erlebten schöne Stunden auf dem Eis. Trotz einiger Anfänger kamen alle gesund, munter und vor allem glücklich wieder nach Hause. Durch die Unterstützung, das gemeinsame Erleben und noch mehr Spaß, war allen klar, dass dies bald wiederholt werden muss.
In diesem Sinne…einen guten Rutsch.

Eislaufen - Ferienaktivität der Williburg

Kreativangebot zur Halloweenzeit

Die bevorstehende Halloweenzeit wurde zum ausführlichen Kürbis schnitzen genutzt. Dabei wurden u. a. auch Kürbisse aus dem eigenen Anbau verarbeitet. Auf dem weitläufigen Außengelände wurden neben den Kürbissen, auch Tomaten, Zucchini und Wassermelonen gezüchtet und anschließend gegessen.
Die Kürbisse wurden passend für das geplante Motiv ausgesucht, vorgezeichnet, ausgehöhlt und dann geschnitzt. Kreativität, Vorstellungskraft und handwerkliches Geschick sind dafür erforderlich. Und es sind dabei wundervolle Halloweenexemplare 🎃 entstanden, wovon Sie sich selbst ein Bild machen können.

Kürbis anzeichnen - Helloween-Williburg
Kürbis ausschneiden - Helloween-Williburg
Kürbis schnitzen - Helloween-Williburg

Erlebnispädagogik in Wald und Natur

Des Weiteren gab es sportliche Aktivitäten. Die Pädagog*innen hatten die Turnhalle der Oberschule Cossebaude angemietet, sodass dort ausgiebig Sport getrieben werden konnte. Die Favoriten waren Tischtennis, Fußball und Basketball.
Es gab Ausflüge in Wald- und Wiesenlandschaften, um dem Bewegungsdrang und der Neugier mal richtig Raum zu geben. Unfassbar, wie selbst coole Jugendliche plötzlich wieder zu „kleinen Kindern“ werden und dann so zurückkehren.

Erlebnispädagogik - Ferienaktivitaet-Williburg

Moderne Spielvariante zu Räuber und Gendarm

Ein besonderes Highlight für die Kinder und Jugendlichen war der Nachmittag mit Lasertag. Lasertag ist die moderne Variante von Räuber und Gendarm und kann ab 12 Jahren gespielt werden. Es wird dabei mit ungefährlichen Taggern gespielt, welche als Infrarotsignalgeber fungieren. Die Kinder von früher nutzen dafür Pistolen- und Gewehrattrappen. Heute wird mit Lichtstrahlen gegeneinander gespielt…die Zeiten ändern sich. Gewinner ist die Mannschaft, welche als Erstes alle Spieler des gegnerischen Teams mit dem Infarotsignal treffen und damit besiegen. Und dann geht das Ganze von Neuem los. Besonderen Freude machte es den Kids dabei, die Pädagog*innen zu jagen und diese zu besiegen. Was ihnen auch immer wieder gelang und so zu großem Lachen und viel Spaß bei der späteren Auswertung in dem Wohnprojekt Williburg führte.

Lasertag - Ferienaktivität-Williburg

Sportliche Freizeit einer Wohngruppe

Ein weiterer sportlicher Höhepunkt war der Nachmittag im Dresdner Superfly. Die Kinder und Jugendlichen konnten sich springend austoben. Dabei ging es anfangs sehr klassisch auf den vielen und unterschiedlichen Trampolinen zu. Das dort gewonnene Vertrauen wurde dann u.a. in Sprunggruben, in Ninjaparcours, in der Schwingarena (wie im Zirkus am Trapez durch die Luft fliegen) und der Warped Wall (Wer schafft es, die Rampe schnell genug runter und wieder hoch zu rennen, um dann den Tower zu erklimmen?) ausgiebig getestet und gefestigt. Die Kids wurden dann selbst zu „Ninja Warriors“, wie in der aus der TV bekannten Fernsehsendung.

SuperFly Dresden - Ferienaktivität-Williburg

Die Ferientage in der Williburg waren wieder prall gefüllt mit vielen Unternehmungen, Ausflügen und Aktivitäten. Und natürlich waren die Herbstferien viel zu schnell vorbei, aber die nächsten Ferien kommen bestimmt und bis dahin gibt es noch viele Wochenenden für spannende und faszinierende Abenteuer.

Popcorn unterwegs als Pädagogikhund

Popcorn unterwegs als Pädagogikhund

Kinder und Jugendliche brauchen Weggefährten, Tröster, Therapeuten, Lehrer und Freunde. Tiere können diese Rollen in unterschiedlichsten Situationen und Umgebungen wahrnehmen.

Seit November 2018 begleitet die Bewohner*innen der Einrichtung Williburg ein treuer und liebenswerter Bearded Collie, kurz Popcorn oder liebevoll Popsie genannt. Unser Kollege aus der Verwaltung füttert und beherbergt Popcorn nach der Arbeitszeit und sorgt für die nötige Erziehung.

Popcorn ist ein junger Rüde, der sehr verspielt agiert und Spazierengehen mit den Kindern und Jugendlichen genauso liebt wie Kuscheln und Spielen mit dem Ball oder Stöckchen. Popcorn geht in Beziehung und behandelt jeden gleich. Er ist verlässlich, treu, geduldig und nicht wertend und nimmt so Einfluss auf unterschiedlichste Persönlichkeitsbereiche. Es werden Verhaltensweisen wie delinquentes Verhalten, Schulvermeidung oder Frust, Ärger und Angst im Beziehungsaufbau nicht bewertet.

Besonders geprägt ist die Beziehung zwischen Popcorn und den Bewohner*innen durch seine Echtheit.

Tiergestützte Pädagogik erachten wir bei empatis® Jugendhilfe als sehr niederschwelligen, lebenspraktischen und unmittelbaren Handlungsansatz in der pädagogischen Arbeit. So kümmert sich etwa ein junges Mädchen besonders liebevoll um Popcorn. Sie gehen gemeinsam im angrenzenden Wald spazieren, er begleitet sie in die Wohnetage oder ins Zimmer und weicht bei ihrer Anwesenheit nicht von ihrer Seite. Popcorn hilft ihr, trübe Gedanken etwas zu vertreiben und den Alltag in einem Wohnprojekt fernab der Familie etwas lebendiger und bunter zu gestalten. Er war ihr vordergründig, zu Beginn der Betreuung, ein Seelentröster, als Ängste und Heimweh im Vordergrund standen.

Nicht nur den Bewohner*innen der Einrichtung ist Popcorn ein treuer Begleiter, auch den Mitarbeiter*innen schenkt er Aufmerksamkeit und bringt Freude sowie Leichtigkeit in den Arbeitsalltag. Allein seine Anwesenheit hat eine positive Wirkung auf alle, die ihm begegnen.

empatis-Jugendhilfe feiert den 6. Geburtstag

Liebe/r interessierte/r Leser*in,

die heutigen zwei Informationen sind eigentlich wunderschöne Nachrichten, auch wenn sie uneigentlich einen traurigen Hintergrund haben.

Geldspende für Familie

Sammlung für Familie

Im August gab es leider einen Todesfall, bei einer von uns betreuten Familie. Deren fünftes Kind war überraschend verstorben. Neben der Unterstützung der Familie in der Trauerarbeit, wie auch beim Meistern des Alltags haben wir als empatis® eine Geldsammlung initiiert, um die finanzielle Belastung durch diesen schrecklichen Verlust für die Familie etwas abzumildern. Dabei wurden wir von unserer Hausbank, der Volksbank Pirna eG, aktiv unterstützt, indem sie uns ein kostenloses Konto zur Verfügung stellte.

Wir sind dankbar für die große Anteilnahme, das ausgesprochene Mitgefühl und Beileid!
Mit großer Freude können wir mitteilen, dass bis jetzt insgesamt 2.745 € zusammengekommen sind, die wir der Familie für die Beerdigungskosten zur Verfügung stellen können!

Unser Dank gilt den vielen Spender*innen. Folgende Spender*innen dürfen hier namentlich genannt werden: Regenapotheke in Leipzig, Peter Wagner und Uwe Köhn, GUD.berlin, empatis® Jugendhilfe GmbH, Hilde Kunick, die Hebamme von D., WSR CINTINUS Steuerberatung, Steuerberaterin Katrin Schmidt, Wilfried Schäfer vom Semper Gymnasium, Florian Bessel, Susanne Altmann, Simone Schönwald, weitere Mitarbeiter*innen der empatis® Jugendhilfe GmbH und Andreas Schönwald!

Das Sozialamt Leipzig ist aufgrund der Zuständigkeit erster Ansprechpartner zur Kostenbegleichung. Wir werden dann für die Familie die Differenz begleichen. WENN dann noch Geld „übrig“ sein sollte, werden wir diesen Betrag an die beiden Vereine überweisen, um deren Arbeit etwas zu unterstützen.

6. Geburtstag von empatis-Jugendhilfe

empatis® hat Geburtstag

Die zweite positive Nachricht betrifft uns selbst.

Heute vor 6 Jahren, am 28.10.2015 wurde die empatis® Jugendhilfe GmbH gegründet.

Zeit, zurückzuschauen, Erfolge zu feiern, Herausforderungen zu reflektieren, über Lustiges zu lachen und vor allem für so vieles Danke zu sagen. Denn eines ist festzuhalten, aus anfangs zwei Mitarbeiter*innen sind mittlerweile 80 geworden, welche in 8 Projekten in Dresden und Leipzig arbeiten. Dies ist eigentlich eine schöne Nachricht, auch wenn diese positive Unternehmensentwicklung uneigentlich zeigt, dass der Bedarf an speziellen, flexiblen, individuellen und professionellen Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe kontinuierlich steigt…

Aber zurück zum Geburtstagskind. Die empatis® Geschichte begann schon viel eher. Am 01. Oktober 2005 wurde das damals kleine Unternehmen empatis® gegründet. Die damalige Motivation bestand darin, individuelle, flexible und ausschließlich ambulante Hilfen anzubieten. Es war der hohe Anspruch von Andreas Schönwald, für alle Familiensysteme ein passendes Hilfesetting zu entwickeln, um die Eltern und die Kinder professionell, systemisch und empathisch zu begleiten und so zu unterstützen, dass sie keine weiteren Hilfen mehr benötigen…gemäß dem sozialpädagogischen Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe.

Wie schon vorhin erwähnt, es ist „Zeit zurückzuschauen. Dies ist schon längst überfällig, sodass wir den 6. Geburtstag der empatis® Jugendhilfe GmbH zum Anlass nehmen, um in zwei oder drei separaten Beiträgen durch die reichhaltige Geschichte des Unternehmens zu streifen und Erinnerungen einzusammeln.

Seien Sie gespannt…
Ihr Andreas Schönwald